Die Gratis-Lotterie – Wie Kirchturmpolitik das Allgäu spaltet
Die Gratis-Lotterie – Wie Kirchturmpolitik das Allgäu spaltet
Stellen Sie sich vor, Sie stehen am Fellhorn. Der Gast aus Oberstdorf fährt umsonst hoch. Sie, als Gast aus dem Nachbarort, zahlen den vollen Preis – trotz Allgäu-Walser-Pass.
Diese „Kleinstaaterei“ entwertet die gesamte Region. Orte wie Bad Hindelang oder Oberstdorf nutzen „Gratis-Leistungen“ als Waffe im harten Wettbewerb um Gäste. Das Ergebnis? Ein absurder Konkurrenzkampf zwischen Dörfern, die eigentlich zusammengehören.
Für den Gast wirkt das kleingeistig. Das Allgäu ist eine Landschaft, kein Zusammenschluss von Zollstationen. Wer den Tourismus der Zukunft will, muss das Kirchturmdenken beerdigen. Eine Region, ein Preis, eine Leistung – alles andere sorgt für Frust statt Erholung.
Die mittelfristige Rechnung: Wenn aus dem „Plus“ ein Minus für alle wird
Doch der Schaden bleibt nicht nur bei der Verwirrung des Gastes stehen. Mittelfristig zahlen alle Beteiligten die Zeche für dieses System – sowohl die Städte und Gemeinden als auch die gesamte Region Allgäu.
Nachteile für Städte und Gemeinden: Teure Subventionen und soziale Erosion
Finanzielle Sackgasse: Um ein „Plus“-Modell aufrechtzuerhalten, müssen Gemeinden enorme Summen aufbringen. Sie subventionieren damit private Bergbahngesellschaften oder tragen die Verluste ihrer eigenen defizitären Betriebe. In Zeiten von Inflation und Schneemangel wird die künstliche Erhaltung überholter Modelle (wie der Skibetrieb mit Beschneiung) zu einer untragbaren Belastung. Das Geld fehlt dann für grundlegende Aufgaben wie Schulsanierungen, Kindergärten oder die Infrastruktur für Einheimische.
Akzeptanzverlust: Ein System, das Touristen besser gestellt als Einheimische, birgt sozialen Zündstoff. Wenn der Gast mit dem „Gästebus-Ticket“ gratis fährt, während der Einheimische für dieselbe Strecke zum Bäcker oder zur Arbeit saftige Preise zahlt, erodiert die Akzeptanz des Tourismus vor Ort. Das führt zu Spannungen und schadet der Gastfreundschaft, die das Allgäu eigentlich auszeichnet.
Nachteile für die gesamte Region Allgäu: Image-Delle und Investitionsstau
Abwertung des regionalen Images: Der Gast sieht das Allgäu als eine Einheit. Die Verwirrung durch verschiedene Pass-Level (Basis vs. Plus vs. KönigsCard), lokale Ausnahmen und die fehlende Transparenz lassen die Region kleingeistig, bürokratisch und „Rabattmarken-fixiert“ erscheinen. Moderne, convenience-orientierte Touristen suchen Einfachheit, nicht Chaos. Die Region verliert den Anschluss an moderne Destinationen, die sich als echtes Netzwerk verstehen.
Verhinderung regionaler Zukunftsinfrastruktur: Das Geld, das in die Subventionierung von Schnee und Bergbahnen für „Plus“-Pässe fließt, fehlt für lückenlose, zukunftsfähige Infrastruktur, die Gemeindegrenzen ignorieren. Es fehlen Mittel für durchgehende Radwege, ein echtes regionales Verbundnetz und eine Mobilität, die funktioniert, wenn der Schnee wegbleibt. Das Allgäu investiert in Schnee von gestern, statt in die Mobilität von morgen.
Was das über den AWP aussagt
Der Allgäu-Walser-Pass ist in seiner aktuellen Form kein Visionär, sondern ein Konservator überholter Strukturen. Er verfestigt die Zwei-Klassen-Gesellschaft im Allgäu (Premium vs. Basis), verhindert die notwendige Regionale Einheit und blockiert den Infrastruktur-Umbau. Er ist ein Instrument zur Erhaltung überholter Geschäftsmodelle, statt ein Motor für eine nachhaltige, vernetzte Zukunft.
Das Allgäu leistet sich hier einen Luxus, den es mittelfristig nicht mehr hat: die Verwirrung des Gastes durch unnötige Komplexität und die Subventionierung überholter Strukturen, während die Region den Anschluss an zukunftsfähige Entwicklungen verpasst.
